Das Braunbuch - Nazis in der BRD 1968

Das Braunbuch erschien 1968 in Berlin. Die DDR hatte hier alle Nazis aufgeführt, die eigentlich wegen schwerer Verbrechen hätten im Gefängnis sitzen müssen.

Natürlich tat das die DDR nicht, um Gutes zu tun, auch wenn das Buch die Wahrheit sagte, sondern weil der "Kalte Krieg" im vollen Gange war. Die DDR wollte aufzeigen, dass all die Kriegsverbrecher, die unter Hitler Gräueltaten verübt hatten, ihr gesichertes Plätzchen in der Bundesrepublik Deutschland gefunden hatten. Von daher ist das Buch nur eine Momentaufnahme der BRD, sagt aber nichts darüber aus, was mit den Nazis geworden ist, die ebenfalls hohe Positionen in der DDR einnehmen konnten.

Für mich persönlich ist es nicht relevant, welche Motive die DDR bei der Drucklegung des Buches bewegten. Es geht viel mehr darum, wer uns die ganzen Jahrzehnte über regiert hat. Bezeichnend für unser Land war, dass das Braunbuch in der BRD verboten wurde - mit gutem Grund, wenn man die vielen bekannten Namen dort liest. Im Ausland erzielte es immerhin einiges Aufsehen. Es wurde in mehrere Sprachen gedruckt und in viele Staaten ausgeliefert. Nicht auszuschliessen ist, dass sich die spätere RAF bestimmte Personen, die im Braunbuch vertreten ware, als Opfer ausgeguckt hatte.

Lassen wir also die Frage nach Ost oder West, Kommunismus oder Kapitalismus aussen vor und sehen lediglich die Fakten, die dieses Buch vorgibt, dann werden wir auch verstehen, warum die einfachen Bürger dieses Landes BRD nie eine wirkliche Chance hatten.

Wer das Heute in der BRD begreifen will, kommt nicht darum herum, sich mit den Anfangsjahren der BRD zu beschäftigen!

Streichen wir die kommunistische Propaganda aus dem Braunbuch, erhalten wir nackte Fakten, die erschreckend genug sind. Das Buch hat über 500 Seiten, ist also recht umfangreich. Entschädigt wird man allerdings dadurch, dass viele Dinge bei uns nun tranparenter geworden sind. Wer sich weitergehend in formieren will, sollte sich mal Bücher von Bernt Engelmann und Jürgen Roth ansehen. Bernt Engelmann war übrigens eine Zeitlang Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), sowie auch Mitglied des Präsidiums des deutschen PEN-Zentrums. Er hat eine ganze Reihe politischer Schriften verfasst, die allesamt aufzeigen, wie wenig sich eigentlich nach dem 2. Weltkrieg für die herrschende Klasse geändert hatte. Engelmann, der selbst im KZ gesessen hatte, war Zeit seines Lebens auf der Suche nach Wahrheit. 1980 erschien ein sehr lesenswertes Buch von ihm; "Das neue Schwarzbuch - Franz Josef Strauss". Wer das "Braunbuch gelesen hat und nun dieses Schwarzbuch liest, wird viele Dinge besser verstehen und Zusammenhänge erkennen, die ohne dieses Grundwissen nicht erkennbar sind.

cornelia warnke 16.08.2014

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