Fukushima - Out of Head

Man hört so gut wie nichts über Fukushima, als hätte es dort nie eine Katastrophe gegeben. Ranga Yogeshwar - Physiker und ARD-Reporter - war vor Ort, erhielt eine Drehgenehmigung und konnte mit Schutzanzug, Maske und Dosimeter ziemlich nahe an die Anlage. Im Abklingbecken Block 4 sind immer noch Brennstäbe, die nach und nach geborgen werden. Ranga Yogeshwar geht davon aus, dass bei diesem Tempo das Ausklingbecken Ende des Jahres leer sein wird. Die Reaktoren müssen noch immer gekühlt werden und es gibt kaum noch Platz für weitere Tanks, die riesige Ausmasse haben.

Die Rede ist davon, dass die Japaner jetzt wohl daran denken, eine Eissperre zum Meer hin zu errichten. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, war davon auch schon vor drei Jahren die Rede. Wissenschaftler bezweifeln ohnehin, dass sich so eine Sperre weiträumig bis tief unter die Erde errichten und auch halten lässt. Wie viele Tonnen schwer kontaminiertes Wasser mag wohl zwischenzeitlich ins Meer geflossen sein...

Rund um das AKW gibt es eine riesige Zone, die von ehemaligen Bewohnern nur stundenweise betreten werden darf. Die Verstrahlung - so schätzen Experten - wird noch mindestens 30 Jahre lang so stark sein, dass Menschen dort nicht werden leben können. Den Rückbau des AKWs schätzen die Experten auf mindestens 40 Jahre. Ich stelle mir gerade vor, was das in unserem verhältnismässig kleinen Deutschland mit einer hohen Bevölkerungsdichte auslösen würde. Ein grosser Teil Deutschlands wäre unbewohnbar und Millionen Menschen ohne Heimat.

Nach derartigen Katastrophen, von denen wir noch gar nicht wissen, wie lange es wirklich für Menschen gefährlich ist - in Hiroshima werden immer noch Kinder geboren, die eindeutige durch Strahlenschäden verursachte Missbildungen aufweisen und das 70 Jahre nach der Atombombe(!) - reden Politiker aber schon wieder von Neubau und versuchen der Bevölkerung zu vermitteln, dies sei "alternativlos"!

Da kann ich mich nur wundern, wie der japanische Präsident Shinzo Abe trotz all der negativen Umstände neue AKWs bauen lassen will. Was ist es, was ihn so handeln lässt? Ich will ihm keine Dummheit unterstellen, aber was ist es dann? Wird er unter Druck gesetzt? Erpresst man ihn? Verdient er mit daran? Zwangsläufig müssen bei der riesigen Dimension dieser Katastrophe solche Fragen auftauchen, damit wir verstehen, welche Beweggründe der Präsident eines Staates hat, in dem gerade grossflächig weite Gebiete durch Verstrahlung unbewohnbar wurden.

Menschen leben dort nicht, weil es immer noch Sperrgebiet ist, dürfen aber für kurze Zeit ihre Häuser besuchen. Viele denken ja - wie auch in Tschernobyl - es kann gar nicht so schlimm sein. Man sieht nichts, man riecht nichts, man schmeckt nichts. Der Strahlentod kommt unbemerkt! Diejenigen, die schreiben, es sei alles nicht so schlimm, sind einfach nur dumme Menschen. Dabei ist Tschernobyl - rund 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe - immer noch präsent in Deutschland! Die zulässigen Grenzwerte beispielsweise sind im Fleisch von bayerischen Wildschweinen um bis das Zehnfache erhöht. Das ist eine Dosis, bei der das Fleisch nicht mehr in den Handel kommen darf. Erlaubt sind maximal 600 Becquerel pro Kilogramm, gemessen wurden aber 9840 Becquerel pro Kilogramm im Jahre 2013! Der eigentliche Skandal ist aber der, dass die Bevölkerung nicht darüber aufgeklärt wird. Das bayerische Das Ministerium ist sogar der Meinung, es müsse nicht gesondert beachtet werden, da der Verzehr von Wildfleisch lediglich annähernd 600 Gramm pro Kopf und Jahr betrage. Nun stellt sich der "dumme Laie" anders als "der schlaue Politiker" natürlich die Frage, was denn mit dem anderen Wild sei, wie z.Bsp. Hasen, Kaninchen, Rehe und Hirsche. Haben die nichts abbekommen, weil sie grad in den Ferien waren? Angeblich hat man ja bei stichpunktartigen Kontrollen kein verstrahltes Fleisch im Handel gefunden. Wie gross mag wohl die Wahrscheinlichkeit sein, dass bei Stichproben genau die belastenden Waren durchs Raster fallen, bzw. der Prüfer, wie es auch in der Landwirtschaft bei Veterinären der Fall ist, gegen "eine kleine Aufmerksamkeit" die Ware als unbedenklich einstuft.

Das eigentliche Problem - darüber wird aber meist geschwiegen - sind die Randgebiete, in denen radioaktive Werte scheinbar unter der Gefahrengrenze liegen. Hier wird den Menschen suggeriert, die Werte seien so gering, dass sie den menschlichen Körper nicht schädigen würden (!) Das ist natürlich blanker Unsinn. Radioaktivität ist überall vorhanden, auch bei uns, wenn auch ungefährlich, soweit die Werte sich nicht nach oben verändern. Leider wird verschwiegen, dass sich die Werte in unseren Körpern kumulieren. Handelt es sich also um Grenzwerte, in denen man sich gerade noch aufhalten kann, ohne gleich tödlich verstrahlt zu werden, wird der Aufenthalt über einen längeren Zeitraum schon gefährlich. Als Erstes merken wir es, wenn bei Neugeburten sehr viele Missbildungen (drei Augen, ein Arm, keine Beine ect) auftreten. Deshalb darf Personal, welches in einem AKW durch einen Unfall eine erhöhte Strahlendosis abbekommen hat, die einem Jahreswert entspricht, für einen bestimmten Zeitraum nicht mehr in diesen Bereichen arbeiten.

Hier mal ein paar Fachbegriffe und deren Bedeutung:

Wenn wir Radioaktivität messen wollen, müssen wir uns erst einmal mit verschiedenen Begrifflichkeiten beschäftigen. Es gibt nämlich verschiedene Messeinheiten für unterschiedliche Fragenbereiche. Wenn wir die nicht kennen und ihre Begrifflichkeit nicht verstehen, wird es für uns unmöglich sein, aussagekräftige Messergebnisse zu erhalten, bzw. zu benennen. Bequerel beispielsweise misst die Aktivität, wie viele Atome in einer Sekunde zerfallen. Hier misst man also die Menge von radioaktiven Stoffen. Da es verschiedene Arten von Nukliden gibt, müssen wir uns nur noch merken, dass sie auch unterschiedliche Strahlungen haben. Wir haben es hier mit der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung zu tun. Als Begriffsbestimmung sollte das erst einmal ausreichen.

Nun wissen wir zwar, welche Intensität laut Bequerel die Strahlung hat, können aber nichts über die Gefährlichkeit der Strahlung sagen. Hier handelt es sich nämlich um eine Zeiteinheit, in der Strahlung im Körper eingelagert wird. In Fachkreisen nennt sich das die Dosisleistung und die misst man in Joule auf ein Kilogramm pro Sekunde. Jäger kennen diesen Begriff, weil er die Kraft bezeichnet, mit der ein Geschoss in einen Körper einschlägt. Dosisleistung erhält, da es keine eigene Bezeichnung dafür gibt, den Namen Gray/Sekunde.

Im Strahlenschutz, wo es darauf ankommt, menschliche Körper vor der schädlichen Strahlung zu schützen, wird ein biologischer Faktor genommen, der die Dosisleistung wichtet und und dann angibt, wie stark die Schädigung durch die Strahlung ist. Das nennt man dann Sievert pro Sekunde. Die Messgeräte zeigen allerdings die Werte in Mikrosievert (Millionstel!) pro Sekunde an, da ein Sievert pro Sekunde bereits tödlich sein kann. Hält man sich beispielsweise in einem stark verstrahlten Gebiet auf, wie es rund um Fukushima der Fall ist, dann wird der Wert in Mikrosievert pro Stunde gemessen.

Wir hatten ja bereits über die Dosisleistung geschrieben und im Artikel über das Kumulieren der Strahlenwerte im Körper. Diese kumulierte Dosisleistung wird in Joule pro Kilogramm gemessen. Personen, die ihren Arbeitsbereich in radioaktiven Anlagen haben, sollen einen Wert von maximal 20 Millisievert (Tausendstel!) pro Jahr(!) nicht überschreiten.

Zurück zur Strahlung und dem Schutz davor

Vor der Alphastrahlung kann man sich theoretisch auch durch eine Zeitung schützen.Das scheint dann wohl, was den Schutz des eigenen Körpers angeht, die am besten zu händelnde Strahlung zu sein.

Zur Strahlung an sich gibt es eine kleine Geschichte, von der man beim ersten Lesen glauben könnte, es andle sich um Satire. Doch es ist die bittere Wahrheit! Der erste atomare Test der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Bikini-Atoll, welches zu den Marshallinseln gehört, durchgeführt. Ganz nahe bei befindet sich die Insel Hawai. Bei der Bombe hamdelte es sich um eine Freifallbombe, die in 160m Höhe mit einer Sprengkraft von 23 Kilotonnen gezündet wurde. Es handelte sich dabei um die Operation Crossroad und die Bombe hatte den fantasievollen Namen Able. Auf den umliegenden Inseln riet man den Menschen, sobald sie einen Blitz am Himmel sähen, sich sofort auf die Erde zu werfen und entweder eine Zeitung oder eine Aktentasche über den Kopf zu halten. Das ist KEIN Witz!

Die Betastrahlung ist dagegen nicht mehr durch eine Sperrschicht aus nur einer Zeitung , die übrigens den ganzen Körper bedecken müsste, aufzuhalten. Hier muss schon ein schwereres Kaliber her. Je nach Intensität und räumlicher Entfernung der Strahlung müssten es Abschirmungen aus Aluminium oder Blei sein, die mindestens 4 mm stark sind. Übrigens - Schutzanzüge, wie sie bei Atomunfällen getragen werden, halten keinesfalls die Strahlung auf, sondern lediglich den verstrahlten Feinstaub. Es gibt KEINEN Schutzanzug, der Strahlung absorbiert!

Die Gammastrahlungist weder mit einer Sperrschicht aus nur einer Zeitung, die übrigens den ganzen Körper bedecken müsste, noch mit einem 4 - 5 mm starken Aluminiumpanzer aufzuhalten. Hier muss schon ein ganz schweres Kaliber her. Je nach Intensität und räumlicher Entfernung der Strahlung müssten es Abschirmungen aus Blei sein, die mindestens 13mm stark sind. Auch die genannten Filter halten keineswegs die gesamte Strahlung auf, sondern absorbieren lediglich einen Teil, der, je nachdem wie stark die Panzerung, in unsere Körper eindringt und dort Schädigungen verursacht. Erinnern wir uns an die Bleischürze beim Röntgen. Normalerweise fragt der Arzt, wann das letzte Mal geröntgt wurde. Das ist wichtig, um den Kumulationsfaktor zu berechnen und zu berücksichtigen. Hätten wir also eine Ganzkörperpanzerung aus 13 mm Blei, was unmöglich wäre, da allein das Gewicht uns nicht nur bewegungsunfähig machen, sondern auch erdrücken würde, dann würde diese Panzerung wahrscheinlich so viel Strahlung absorbieren, dass unser Körper vielleicht nicht mehr geschädigt würde, andererseits würde es aller Wahrscheinlichkeit nach durch das Schwermetall Blei zu einer schweren Vergiftung kommen.

cornelia warnke 12.3.2015

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