15:00 Uhr Kanzleramt

Reportage zum Thema Kommunikation/ Dialog

Es war eine angesagte Veranstaltung und ich wollte endlich mal wissen, wie das dort abgeht.

Xavier Naidoo sprach von Frieden und Freiheit und sang auch darüber. Was mich befremdete, neben im stand der vorbestrafte Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke. Beide so einvernehmlich, ja geradez freundschaftlich auf einem Podest stehen zu sehen, führte bei mir kurzfristig zu einem Magengrimmen. Bislang hielt ich Xavier Naidoo für einen engagierten und integren Sänger. Bemerkenswert auch sein Gespräch etwas abseits mit Jürgen Elsässer, dem Herausgeber von "Compact" nicht zu verwechseln mit "Campact". Böse Zungen behaupten, diese Namensähnlichkeit sei durchaus gewollt.

Man hatte mit schon vor Tagen gesagt, Naidoo hätte öffentlich ziemlich krude Gedankengänge ausgesprochen, die an und für sich eher in der Fascho-Szene zu finden seien. Ich wollte mich aber persönlich davon überzeugen, was dort geredet wird. Also nahm ich meine Kamera und machte mich dorthin auf den Weg. Das Wetter war herrlich - ein Tag zum Spazieren gehen. Viele junge Familien mit ihren Kindern waren unterwegs.

Auf der Wiese bei den Wasserspielen fragte ich ohne Kamera verschiedene Personen, die ich willkürlich aussuchte. Da waren Gruppen, die extra aus anderen Städten angereist waren und eindeutige politische Statements abgaben, Touristen, die einfach nur neugierig waren und ein ganz grosser Teil, die einfach nur das schöne Wetter nutzen wollten und deshalb nicht nur zum Kanzleramt, sondern auch einige Schritte weiter zum Bundestag gingen, um auch die dortige Veranstaltung zu erleben. Man stand, sass oder lag im lockeren Durcheinander im Halbkreis um das Podest.

Was mir unangenehm auffiel, waren die einpeitschenden Parolen, die von einer ganzen Reihe von Menschen lautstark skandiert wurden, die Erinnerungen an alte Filme aus dem dritten Reich hervor riefen. Natürlich wurde hier nur von Frieden und Freiheit geredet, aber der Unterton war nicht so friedlich in meinen Ohren. Zudem hörte ich so im Vorbeigehen, wie einige junge Leute aus einer anderen Stadt den Krawall vermissten. Sie meinten, ohne "Bullen" und ein wenig action sei das Ganze langweilig. Ich schätze einfach mal, dass gut zwei Drittel der Anwesenden unpolitisch waren.

Nach mehreren Absagen bezüglich eines Interviews fand ich schliesslich doch zwei Personen, die dem Interview zustimmten. Aber lassen wir doch das Video für sich sprechen...

cornelia warnke 4.10.2014

ZUR LISTE