De Maizière und PEGIDA

Bericht zum Thema Rassismus

Unser Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat also Verständnis für die "PEGIDA"-Demonstrationen gezeigt.

Dabei blendet er wohl völlig aus, wer an der Spitze von "PEGIDA" steht - Lutz Bachmann. Zwar lassen sich keine direkten Verbindungen zu Neonazigruppen nachweisen, aber Lutz Bachmann blickt immerhin auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Er ist ein einschlägig Vorbestrafter, der Einbrüche und andere kriminelle Taten beging. Einem Hafturteil über drei Jahre und acht Monate entzog er sich durch Flucht nach Südafrika, wurde aber zwei Jahre später von den dortigen Behörden gefasst und nach Deutschland abgeschoben, wo er zwei Jahre seiner Strafe absass. Später wurde er dann noch mit Kokain erwischt und steht bis Februar 2015 unter Bewährung.

Zwar lassen sich keine Verbindungen zu rechtsradikalen Gruppierungen nachweisen, aber seine Nachrichten bei Twitter strotzen nur so von Rassismus und Intoleranz. Dabei wird gleichzeitig in den Kommentaren eine hohe geistige Gewaltbereitschaft sichtbar.

Bürger aus der Mitte, Rechtspopulisten und Hooligans laufen ihm in Scharen zu, wie im Märchen "Der Rattenfänger von Hameln". Eine diffuse Angst treibt sie an und Bachmann weiss geschickt auf dieser Klaviatur zu spielen. Er ist nicht allein. Mit ihm gibt es noch elf weitere Organisatoren. Doch Bachmann ist ihr Wortführer, der es versteht, die Ängste der Menschen in eine ihm genehme Richtung zu leiten.

Jede Woche skandieren 10.000 seiner Jünger "Wir sind das Volk!". Sie jubeln ihm zu und nehmen seine Worte auf wie das Evangelium. Unter ihnen Neonazis, Hooligans und ganz normale Bürger, die Ängste plagen wegen einer fiktiven Überfremdung. Nach statistischen Unterlagen liegt der Ausländeranteil in den östlichen Bundesländern gerade mal bei 2,5 Prozent. Wie also erklärt sich dieser Rassenhass und die Angst vor Islamisierung und Flüchtlingsschwemme?

Bei einigen gibt es ganz reale und pragmatische Hintergründe - sie befürchten, wie zum Beispiel im Nobelviertel von Hamburg geschehen, dass ihre angrenzenden Grundstücke an Wert verlieren. Bei anderen Menschen ist immer noch die Furcht aus alten Tagen gegenüber Fremden (wie zum Beispiel Zigeuner) vorherrschend. "Die klauen alle und wenn wir nicht aufpassen, dann stehlen sie nicht nur unsere Wäsche von der Leine und unsere Hühner aus den Ställen, sondern entführen unsere Kinder und verkaufen sie."

Ich erinnere mich als Kind in den fünziger Jahren, wenn Zigeuner am Stadtrand für einen gewissen Zeitraum ihr Domizil bezogen, wie Erwachsene über die Zigeuner redeten. Da musste man als Kind den Eindruck bekommen, jeder Zigeuner sei ein Schwerverbrecher und Mörder.

Populisten verstehen es sehr gut, solche und neue Ängste zu schüren und zu vervielfachen, die ständig wachsende Gemeinde eines Lutz Bachmann beweist dies. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die Politik klare Kante zeigt und etwas tut gegen die Ängste, indem sie das Volk - unser Volk - aufklärt und Ängste abbaut.

Nachtrag: Ist die Brandstiftung in den leer stehenden Gebäuden in Vorra, Nähe Nürnberg, die extra für Flüchtlinge umgebaut wurden, ein erster Erfolg von PEGIDA?

Eine kleine Ortschaft, und Anwohner - wahrscheinlich Rechtsextremisten - die verhindern wollen, dass dort Flüchtlinge einziehen. Hakenkreuzschmierereien lassen zumindest den Verdacht aufkommen, dass hier Neonazis oder ihnen nahe stehende Personen am Werk waren. Der Polizeisprecher Sandmann glaubt, dass einiges dafür spreche, dass in kurzer Zeit mehrere auseinander liegende Gebäude Feuer gefangen haben. Aber er betont, es gäbe noch keine Hinweise auf irgendwelcheTäter.

cornelia warnke 12.12.2014

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