Wenn zwei das Gleiche tun

(Brennende Klinik mit mehr als 200 Patienten)

 

US-Präsident Barack Obama wirft Russland vor, mit den Luftangriffen in Syrien den IS zu stärken. Der Beobachtungsstelle zufolge trafen russische Angriffe am Donnerstag auch ein Krankenhaus in der westlichen Provinz Hama, wobei Ärzte verletzt worden seien. Der IS sei in dieser Region nicht aktiv.

Die Klinik ("Ärzte ohne Grenzen") in Kundus, die in der Nacht wohl durch US-Maschinen angegriffen wurde, war die letzte im Ort, die noch halbwegs geregelt funktionierte. Die Mediziner hatten dort tagelang Verletzte operiert. Die US-Armee nennt den Vorfall einen möglichen "Kollateralschaden".

 

Ärzte ohne Grenzen hatten schon lange vor dem Angriff der amerikanischen Maschinen alle Parteien mit GPS-Daten des Krankenhauses - welches übrigens total zerstört wurde - versorgt. Es war also bekannt, wo sich das Krankenhaus, in dem beim Angriff viele Ärzte, Pfleger und Patienten getötet wurden, befand.

Das ist der absolute Horror! Mir kann niemand erzählen, dass es 30 Minuten gedauert haben soll, bis die Bomberpiloten benachrichtigt wurden, dass sie ein voll besetztes Krankenhaus in Schutt und Asche legen. Mir sieht das nach Absicht aus. Zu erklären würde es unter anderem auch damit, was das afghanische Ministerium gesagt hatte: angeblich sollten sich in dem Krankenhaus 15 bewaffnete Kämpfer der Taliban verschanzt haben. Die Amerikaner sind dafür bekannt, in solchen Fällen jeden noch so grossen Kollateralschaden hinzunehmen, wenn es darum geht, ein paar Feinde auszuradieren.

Nach Angaben des US-Kommandeurs General John Campbell wurden die Amerikaner gebeten, das Krankenhaus anzugreifen, weil sie von dort aus von Taliban-Kämpfern unter Feuer genommen würden. Was für eine perfide Welt!

Ärzte ohne Grenzen haben wieder und wieder gesagt, es seien zu keinem Zeitpunkt bewaffnete Taliban im Krankenhaus gewesen. Die Taliban selbst bestreiten das ebenfalls. Wenn zum Beispiel verwundete Kämpfer - egal von welcher Seite - ins Krankenhaus zur Behandlung kommen, dann müssen sie ihre Waffen vor der Tür ablegen!

Aber - selbst wenn bewaffnete Taliban im Krankenhaus gewesen wären, verstösst das meiner Meinung nach gegen das Haager Abkommen und die Genfer Konvention und weist potentielle Angreifer gegen solche Ziele als Kriegsverbrecher aus.

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte. Die USA haben bereits zugegeben, dass es sich um einen Kollateralschaden gehandelt hat, da schreiben unsere Medien immer noch in vorauseilendem Gehorsam: es sei "mutmasslich"..., während das afghanische Verteidigungsministerium erklärt, in der Klinik hätten sich Taliban versteckt und Ärzte und Patienten als Schutzschilde benutzt. Die Taliban wiederum erklären, zum Zeitpunkt des amerikanischen Bombardements seien keine Kämpfer von ihnen in der Klinik gewesen. Die Ärzte aber sagen, sie hätten sogar noch während des Überfalls ihre Koordinaten an alle kämpfenden Parteien geschickt, amerikanische Bomber hätten jedoch noch 30 Minuten lang das Krankenhaus beschossen und ihre Raketen abgefeuert. UN-Hochkommissar für Menschenrechte nannte diesen Vorfall sogar ein "Kriegsverbrechen".

Ich hätte gern gewusst, wie wohl unsere westlichen Medien reagiert hätten, wäre dieser "Kollateralschaden" in gleicher Situation den Russen passiert. Unsere westliche Propagandamaschine in den Medien dreht sich schneller und schneller, während auch die Zwischentöne schriller werden.

cornelia warnke 3.10.2015

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