Die richtige Waffe beim Combatschiessen

Ich wundere mich immer wieder, was manche Menschen für Unsinn in der Öffentlichkeit verzapfen. Da sprechen sie über Waffen und kennen nicht den Unterschied zwischen Pistole und Revolver. Das gleiche Szenario finde ich in Kriminalromanen und Spielfilmen wieder. Es mutet da schon fast komisch an, wenn der Autor eines Romans schreibt:
"Hastig öffnete er die Trommel seiner Pistole und entleerte sie."

Liebe Leute, eine Pistole ist allgemein gesehen eine halbautomatische Faustfeuerwaffe mit einem Magazin. Daran ändert sich auch nichts, wenn man von Pistoleros im Wilden Wersten hört und liest. Der Revolver dagegen hat eine Trommel. Beide Waffentypen gibt es als SA (single action) und DA (double action). Die Firma Glock hat eine dritte Art entwickelt, das ist DAO und steht für eine vorgespannte Waffe. Dieses System wird mittlerweile in allen modernen Pistolen verwendet.

Was haben diese Begriffe nun für eine Bedeutung?

Ein Single-Action-System ist in etwa gleichzusetzen mit dem Spannen des Hahns beim Revolver. Hier muss der Hahn entweder von Hand gespannt werden - wenn sich zum Beispiel bereits eine Patrone im Patronenlager befindet, oder der Schlitten muss zurückgezogen werden und wird wieder losgelassen, wobei zum Einen der Hahn gespannt wird und gleichzeitig beim Vorschnellen des Schlittens eine Patrone aus dem Magazin dem Patronenlager zugeführt wird. Der Abzug löst erst nach diesen Aktionen aus. SA-Systeme stammen aus der Zeit, als die Revolver im Wilden Westen eine Rolle spielten und wurden dann auf Pistolen übertragen.

Das Double-Action-System ist eine Weiterentwicklung von SA. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, die Waffe zu schiessen: man drückt auf den Abzug - bei Patrone im Lauf - und der Schlagbolzen wird dabei gespannt, bis er über eine Art Wippe - laienhaft ausgedrückt - abrutscht und auf das Zündhütchen der Patrone aufschlägt. Ausserdem kann man die Waffe wie beim SA manuell spannen, indem man den Hahn wie beim Revolver zurückzieht. Das SA-System hat den Nachteil, dass beim ersten Schuss der Abzug sehr hart ist, was die Treffergenauigkeit auf das Target einschränkt. Ausserdem verreisst man dabei leicht die Waffe und es dauert einen Moment, ehe man neu anvisieren kann. Trifft auf den ersten Schuss bei DA ebenfalls zu.

Das teilvorzuspannende Double-Action-Only-System ist der momentane Standard bei modernen Pistolen. Wird der Schlitten zurückgezogen, dann wird die Feder nur teilvorgespannt. Erst wenn der Schütze den Abzug betätigt wird die Feder voll gespannt und der Schuss löst sich. Das erhöht die Präzision beim Schiessen, weil ein leichter Abzug die Waffe nicht verreissen kann, wenn man schiesst. Bei Jagdwaffen gibt es zum Beispiel einen Stecher, mit dem man das Abzugsgewicht auf das Gramm genau einstellen kann. Hier braucht der Jäger beim Anstand nur leicht über den Abzug zu streichen und der Schuss löst sich. Bei richtiger Waffenhaltung bleibt man mit der Waffe dabei im Ziel. Ein weiterer Vorteil dieses Systems ist die Tatsache, dass sich bei teilvorentspannter Waffe kein unabsichtlicher Schuss lösen kann, wie es zum Beispiel beim DA-System vorkommen kann.

Welche Kaliber für Selbstladepistolen sollte man benutzen, um ein Höchstmass an Mannstopwirkung zu erzielen?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Professionelle Killer verwenden häufig das Kaliber 22 lfb (long rifle oder zu deutsch lang für büchsen), weil die Patrone leise, aber dennoch ziemlich präzise ist. Ein Schalldämpfer tut dann ein übriges, dass der Schuss selbst leiser als der Waffenverschluss ist. Dieses Kaliber wird aus der Nähe geschossen, wobei das Ziel der Kopf ist. Die Mannstopwirkung auf andere Körperteile ist als eher gering zu werten.

Für den Personenschutz sollte es da schon ein Kaliber sein, welches die nötige MSP aufweist. Da wäre zum Beispiel die am häufigsten benutzte Patrone weltweit, die übrigens eine interessante Vorgeschichte hat. Luger entwickelte um 1900 die Parabellumpistole, nachdem er von einem anderen Waffentechniker bestimmte Teile übernommen hatte.

Es entstand die Parabellum 1900. Sie hatte das Kaliber 7,65, welches aus dem ursprünglichen Kaliber 7,63 Mauser hervor ging. Später machte er aus der 7,65 Hülse eine 9mm Parabellum-Hülse, indem Luger die Hülse auf 19mm kürzte und den Hülsenmund auf 9mm erweiterte. So entstand die 9x19 Parabellum, die bis auf den heutigen Tag unverändert produziert wird. Als Vollmantel-Stahlgeschoss wird die Patrone überwiegend in Maschinenpistolen verwendet. Eine der am meisten verbreiteten Maschinenpistolen, die die 9mm Para verschiesst, ist die israelische UZI, die weltweit unter Lizenz hergestellt wird. Es gibt in diesem Kaliber die verschiedenartigsten Geschosstypen; Vollmantel Stahl, Teilmantel spitz und stumpf, Blei und Sintergeschosse (aus Metallpulver gepresst), die in der Lage sind, auch Schutzwesten zu durchschlagen - sogenannte Cop-Killer. Die grösste MSP wird bei Blei und bei verschiedenen Teilmantelgeschossen erreicht. Stahlmantelgeschosse haben die geringste MSP, weil sie ohne Widerstand die Weichteile durchschlagen.

Wenden wir uns den grösseren Kalibern zu. Da wäre als nächstes die 357 Magnum, die zum Beispiel in der israelischen Desert Eagle verschossen wird. Die Desert Eagle verschiesst verschiedene Kaliber (357 magnum, 41 magnum, 44 magnum, 50AE - eine der stärksten Pistolenpatronen). Die MSP ist bei allen Kalibern gleichermassen hoch und total zerstörend. Auch hier gibt es wieder für die verschiedensten Anwendungen unterschiedliche Geschosstypen.

Wir haben hier nun eine breite Geschosspalette vor uns, angefangen beim 22lfb und endend beim 50AE. Für welches Kaliber sollten wir uns also entscheiden?

Eine immer und überall vorrätige Patrone sollte es sein und genügend MSP sollte sie ebenfalls haben, wobei natürlich auch der Preis der Patrone eine gewisse Rolle spielt. Wegen geringer MSP und da wir keine Killer sind, fällt das Kaliber 22lfb weg. Als vernünftigste Lösung Preis/Leistung/Verfügbarkeit bietet sich hier eigentlich nur eine einzige Patrone an, die 9mm Para.

Wir haben nun unsere Patrone gefunden und brauchen dafür die entsprechende Waffe. Da gibt es nun eine schier unübersichtliche Anzahl an Pistolen der verschiedensten Hersteller. Fangen wir mit der Browning FN High Power an. Sie wurde im Jahre 1922 entwickelt und wird heute noch weltweit unter Lizenz gefertigt. Sie hat ein zweireihiges Magazin - die Patronen liegen sozusagen im Zickzack im Magazin, welches 13 Patronen Kaliber 9mm Para fasst zuzüglich einer Patrone im Lauf. Die High Power ist eine zuverlässige, ziemlich präzise schiessende Waffe, die jedoch ziemlich schwer ist. Sollte einem mal die Munition ausgehen, kann man sie immer noch als Keule benutzen.

Dann hätten wir noch die SIG-Sauer P228, die in mehreren Kalibern hergestellt wird. Im Kaliber 9mm Para hat das Magazin ein Fassungsvermögen von 15 Patronen. Die Pistole ist qualitativ hochwertig verarbeitet und schiesst sehr präzise.

Die Glock 17 läutete ein neues Zeitalter bei Selbstladern ein - Polygonlauf und DAO. Wahrscheinlich die am meisten verkaufte Pistole weltweit. Die Magazinkapazität reicht von 17 bis 33 Patronen. Eine veränderte Version der Glock 17 ist die Glock 18, die vollautomatisch schiesst wie eine Maschinenpistole. Andere Pistolenmodelle erspare ich mir.

Kommen wir zum Tragen der Waffe. Schulterhalfter oder Gürtelholster?

Warum ist das richtige Holster so wichtig? Es entscheidet über Leben und Tod, wenn die Waffe in Sekundenbruchteilen gezogen und abgefeuert werden muss. Schauen wir uns das Schulterhalfter an - es gibt Klemmholster, bei denen die Waffe "kopfunter" hängt und seitlich offen ist. Der Vorteil dabei, die Waffe muss nicht gezogen werden, sie wird einfach aus dem Holster seitlich heraus gerissen und liegt auch gleich richtig in der Hand. Schnell und effizient, zumal dieses Schulterhalfter auch keine Gürtelbefestigung (Hosenträger) benötigt. Bei einer anderen Holsterart trägt man die Waffe seitlich vor der Brust, wobei der Pistolengriff in etwa Hälfte zwischen Schulter und Gürtel sitzt. Das ermöglicht ein schnelles und fliessendes Ziehen. Das Gürtelholster kann an der Seite getragen werden, ist aber nicht so günstig.

Am besten trägt man das Holster seitlich hinten mit dem Griff nach vorn. Wenn man eine Jacke trägt, steckt man in die Jackentasche ein Metallfeuerzeug oder ein paar Patronen. Das Gewicht des Tascheninhalts sorgt dafür, dass mit dem entsprechenden Hüftschwung die Jacke zur Seite fliegt und die Hand ungehindert an die Pistole kommt. Dabei wird der Handrücken zum Körper gedreht. Das ist eine sehr schnelle Methode, die Pistole zu ziehen und in Anschlag zu bringen. Wie man hier leicht erkennen kann, ist das eine Frage der Persönlichkeit und des persönlichen Geschmacks.

Welche Schiesshaltung ist die Richtige?

Immer wieder sehen wir in Spielfilmen, wie irgendwelche Gangster die Pistole mit ausgestrecktem Arm bei seitlich gedrehter Hand halten. Das ist Filmklamauk, hat aber mit Combatschiessen nichts zu tun. Es gibt den Anschlag mit ausgestrecktem Arm und seitlicher Körperhaltung, um der gegnerischen Kugel die kleinstmögliche Angriffsfläche zu bieten. So haben sich in grauer Vorzeit „Gentleman“ duelliert. Auch diese Haltung ist nicht optimal, da der Schütze keinen festen Stand hat und durch den Schuss aus der Richtung gedrückt wird. Wertvolle Sekunden, wieder die richtige Position einzunehmen, die das Leben kosten können. Der mexikanische Yaqui- Schuss wird aus der Hüfte aus einer Entfernung von etwa sieben Meter abgefeuert und verlangt sehr viel Übung, Ist deshalb auch nicht empfehlenswert, zumal er nur mit einem Gürtelholster praktiziert werden kann. Die einzige Schusshaltung, bei der es relativ egal ist, welches Holster benutzt wird, ist der Weaver-Schuss. Dabei steht der Schütze in Front zum Gegner, die Knie leicht gebeugt, Füsse in Schulterbreite. Das ist ein stabiler Stand, aus dem heraus man mehrere Schüsse hintereinander abgeben kann, ohne aus der Richtung zu kommen. Eine Besonderheit bei der Weaver-Schiesshaltung ist das beidhändige Schiessen. Die zweite Hand schiebt sich dabei seitlich über die Schiesshand, während der Zeigefinger sich ausgestreckt an die Waffe über dem Abzugsbügel legt. Stabiler ist meines Erachtens die Waffe, wenn der Zeigefinger sich vorn um den Abzugsbügel legt, weil damit gleichzeitig rin "Hochsteigen" der Waffe verhindert wird. Durch beide Handhabungen wird eine sehr stabile Waffenhaltung erzeugt, die die Waffe immer im Ziel hält. Gleichzeitig schaut man mit beiden Augen direkt über den Lauf zum Gegner. Es ist nicht nötig, auf bestimmte Körperteile zu zielen. Man zielt einfach auf Körpermitte und trifft dann immer. Bei Dämmerungs- und Nachtschiessen bietet sich ein Laserpointer an, der meist unterhalb des Laufs montiert wird.

Um sicher zu gehen, schiesst man immer zweimal. Sollte der Gegner eine Schutzweste tragen, ist er erst einmal durch die beiden Treffer paralysiert und kampfunfähig. Durch entsprechendes Training schafft man es, bis auf 25 m das Ziel beide Male in einem Durchmesser von maximal 10 cm zu treffen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim kampfmässigen Schiessen ist zum Einen die mentale Einstellung und vor allem die Atmung. Einatmen und langsam die Luft auströmen lassen, während man das Ziel anvisiert, dann erst abdrücken. Niemals zielen und dabei die Luft anhalten!

Resümee:

Wenn also Geld keine so grosse Rolle spielt und ein Waffenschein vorhanden ist, würde ich die Glock 17, Kaliber 9mm Parabellum wählen, dazu ein Gürtelholster, seitlich hinten zu tragen. Ist nicht so viel Geld vorhanden, dann ist die FN High Power 9mm Para eine gute Alternative. Als Schiesshaltung ist der Weaver-Schuss einzuüben, da er am wirkungsvollsten ist und eine sehr schnelle gezielte Schussfolge erlaubt.

Nun noch ein kleines, nicht ganz ernst gemeintes Bonmot: Wer Schwierigkeiten im Umgang mit einer Faustfeuerwaffe hat und partout nichts trifft, sollte vielleicht mal über eine Alternative nachdenken. Seit etwa 150 Jahren benutzt die Cosa Nostra eine abgesägte doppelläufige Schrotflinte im Kaliber 12/70 Buckshot, um ihnen nicht genehme Zeitgenossen ins Jenseits zu befördern. Wer also zuhause eine Schrotflinte hat und dafür auch einen Waffenschein besitzt, kann den Lauf kürzen und den Kolben - bevorzugt Flinten mit Pistolengriff und Doppelhähnen, die von Hand gespannt werden - abschneiden. Dadurch erhält er eine Kurzwaffe, die sehr effizient ist und auf kurze Entfernungen nie daneben schiesst. Allerdings ist es verboten, mit so einer "modifizierten" Waffe in die Öffentlichkeit zu gehen, trotz Waffenschein.

   

Cornelia Warnke, im September 2oo1

cornelia warnke update 24.01.2014

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