Wasserspekulanten - die Geißeln Gottes

Da hat sich die EU aber was Feines ausgedacht: hinter dem Rücken der Bürger und klammheimlich soll das Wasser in ganz Europa durch Richtlinie privatisiert werden. Allen voran EU-Kommissar Michel Barnier erzählt den Leuten „das Ding vom Elch“. Privatisierung sei gut und die Bürger hätten davon viele Vorteile – Vorteile?

Etwa die, daß das Wasser bis zu 400 Prozent teurer wird wie in Portugal, oder das Trinkwasser kein Trinkwasser mehr ist, sondern eine verseuchte Quelle heimtückischer Krankheiten, weil die privaten Wasseranbieter kein Geld in die Instandsetzung und Reinhaltung der Leitungen investieren?

Wie sagt Michel Barnier so trefflich: Dies geschehe „zum Wohl des Verbrauchers“.

Na dann...

Fakt ist doch, daß Wasser für Spekulanten eine Ware wie jede Andere ist. Fakt ist auch, daß sich durch die Privatisierung mehrere hundert Milliarden Euro jährlich verdienen lassen. Barnier betont hier, daß er sich mit einer Expertengruppe beraten habe und sie gemeinsam zu dem Ergebnis kamen, daß Privatisierungen allen nur Vorteile bringen würden.

Schaut man sich nun diese „Expertengruppe“ etwas näher an, stellt man fest, daß es sich ausschließlich um Vertreter der Wassermafia handelt.

Die Kommission, die immer wieder betont, daß niemand gezwungen wird, setzt aber im Hintergrund alle Hebel in Bewegung, die hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland und Spanien zu zwingen, ihr Wasser zu privatisieren.

Warum ist es so wichtig, daß das Wasser nicht privatisiert wird?

Machen wir eine kleine Reise in die Vergangenheit:

Früher war es üblich, aus den Flüsse und Seen ungefiltertes Wasser als Trinkwasser zu benutzen. Da es keine Kanalisation gab, flossen die ungefilterten Abwässer in eben diese Seen und Flüsse oder versickerten im Boden und kontaminierten das Grundwasser.

Schreckliche Epidemien waren die Folge, allen voran die Cholera, die ein wahres Massensterben verursachte.

Robert Koch (Mediziner und Biologe) war der erste Wissenschaftler, der den Nachweis erbrachte, daß Cholera-Erreger über das Trinkwasser zum Menschen kamen und dort ihre zerstörerischen Kräfte entwickelten. Das war im Jahre 1883.

Kommen wir nun zur Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung:

1842 brannte fast ganz Hamburg ab. Man wollte einen Neuanfang und das hieß für Hamburg, die Stadt sollte eine Anlage erhalten, die das Abwasser entsorgte und in die Wohnungen Trinkwasser über Rohrleitungen bringen sollte. Dazu engagierte man den englischen Ingenieur William Lindlay. Dieser baute nach damaligem Sachverstand eine funktionierende und leistungsfähige Versorgung auf. Leider sparte man sich letztendlich aus Kostengründen Filter- und Desinfektionsanlagen (Pläne dafür gab es nämlich). Erst 1859 ging man in Hamburg dazu über „Langsamsandfilterung“ nach Londoner Vorbild einzuführen. Durch diese Filterung erreichte man eine bakterielle und organische Reinigung.

Die Anlage hat den Namen „Stadtwasserkunst/Hamburger Wasserwerke“ und ist die älteste zentrale Wasserversorgung Europas.

Ein erstes Wasserwerk gab es 1764 in Karlsruhe. Das Grundwasser wurde aus einem Brunnen in einen Turm gepumpt, wo es in eine Leitung floß, die die damaligen Hofbeamten und die „bessere Gesellschaft“ mit Trinkwasser (ungereinigt) versorgte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung in den Städten soweit ausgebaut, daß die meisten Menschen dort in ihren Wohnungen fließendes Wasser hatten.

Interessant zu wissen, daß erst in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren Verfahren entwickelt wurden, die das Wasser besser klärten und somit zu einer erhöhten Qualität des Wassers beitrugen.

Schauen wir uns nun unsere Erde an: etwa 70 Prozent der Oberfläche sind mit Wasser bedeckt, wovon sich knapp 98 Prozent in den Ozeanen befinden. Dieser hohe Prozentsatz an Wasser ist aber für die meisten Lebewesen ungenießbar, da salzhaltig. Wasserentsalzungsanlagen gibt es zwar, aber ihr Bau und der Betrieb sind recht kostspielig.

Nun gibt es also noch cirka zwei Prozent Süßwasser. Leider stehen die uns nur begrenzt zur Verfügung. Rund zwei Drittel des gesamten Süßwassers steckt im Permafrostboden und in den Gletschern. Im Klartext heißt das, daß uns lediglich zwischen 0,6 bis 0,7 Prozent des trinkbaren Wassers zur Verfügung stehen. Diese frei verfügbare Resource teilen sich nun der Menge nach geordnet die Landwirtschaft, die Industrie, die Energiewirtschaft und wir Menschen an letzter Stelle mit dem geringsten Verbrauch.

Jahrelang haben multinationale Konzerne um die Öffnung des europäischen Marktes gekämpft. Kommissar Barnier muß ihnen wie ein Geschenk des Himmels erschienen sein – ein Mann, der alles tat, ihnen gefällig zu sein. Allgemeingut wird Privatgut und wer nicht die Preise der Konzerne bezahlt oder nicht bezahlen kann, muß halt sehen, wo er bleibt.

Vor nicht all zu langer Zeit hatte die UN den Zugang zum Wasser als „Menschenrecht“ erklärt. Was für ein Hohn.

Aber der liebe Kommissar erklärte ja freundlich lächelnd vor laufenden Kameras, daß die Menschen keine Angst haben müßten. Es passiere ja nicht wirklich etwas. Der Sendung „Monitor“ liegen dagegen Verträge der „Troika“ vor, in denen Griechenland gezwungen werden soll, die Wasserwerke von Athen und Thessalonoki zu verkaufen. Im gleichen Papier steht auch, daß die Privatisierung der portugiesischenWasserbetriebe – hier „Aguas de Portugal“ zügig vorangetrieben werden soll.

Auch hier heißt es wieder: „Es dient nur dem Wohle der Allgemeinheit“ – was für eine abgefuckte Farce!

In Portugal sind in Gebieten, die bereits privatisiert wurden, die Preise um 400! Prozent gestiegen. Wasser, welches die Menschen früher aus dem Hahn trinken konnten, ist nun ungenießbar. Da die versprochenen Investitionen nie eingehalten werden von Spekulanten, zeichnet sich hier bereits ein katastrophales Bild ab: Das Rohrleitungsnetz wird wegen nicht vorgenommener Inspektionen und Instandhaltungen marode. Rohre werden undicht, Wasser versickert im Erdboden, in die Rohre gelangt Schmutz, der wiederum von den Konzernen dadurch bekämpft wird, daß man Chlor und irgendwelche Chemikalien ins Wasser leitet, um das Wasser einigermaßen hygienisch zu halten.

Portugiesische Bürgerinitiativen laufen gegen eine weitere Privatisierung Sturm und wollen das stoppen. Doch was ist mit den anderen Staaten – zum Beispiel Deutschland?

Dieser sogenannte Richtlinienvorschlag für Konzessionsvergabe hat einen ziemlich versteckten Passus, den nur ein aufmerksamer Leser findet. Hier gibt es die Forderung, im Bereich der Wasserversorgung müsse eine Marktöffnung erfolgen.

Gerlinde Schermer vom Berliner Wassertisch sagt wörtlich: „Die neue Richtlinie der EU bedeutet, alles unter Privatisierungsdruck zu stellen. Die Berliner Erfahrung zeigt, daß auch eine Teilprivatisierung ein so genanntes öffentlich-privates Partnerschaftsgeschäft in Wirklichkeit nur den Privaten nutzt. Die haben die Rendite garantiert und wir bezahlen.“

Eine Studie der Universität von 2010 bestätigt, daß es nach der Privatisierung zu teilweise drastischen Preiserhöhungen gekommen ist, während die Qualität des Wassers sich gleichzeitig dramatisch verschlechterte. Versprochene Investitionen in das Wassernetz würden so gut wie nie realisiert.

In Bolivien hat es bereits einen „Wasserkrieg“ gegeben. Werden wir ähnliches auch in Europa erleben?

Eine europäische Bürgerinitiative (die Erste übrigens) soll nun die Kommission dazu auffordern,

„allen Mitgliedstaaten verbindliche Ziele zu setzen, um die Anerkennung und Umsetzung des universellen Rechts auf Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung in Europa und in der Welt voran zu treiben.“

Hoffen wir, daß Politiker zur Besinnung kommen und diesem Wahnsinn entgegen treten. Auch Politiker haben Kinder, die gern mal schnell ihren Mund unter den Wasserhahn halten, um einen tüchtigen Schluck zu nehmen. Was werden die Politiker tun, wenn ihre Kinder danach an Vergiftungserscheinungen leiden oder mit Cholera ins Krankenhaus eingeliefert werden …


Einige ganz spezielle Informationen bietet der Film "Water makes Money"


cornelia warnke 14.02.2013

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