Amerikanisches Recht - Nur ein toter Schwarzer ist ein guter Schwarzer!

Amerikanisches Recht
Nur ein toter Schwarzer ist ein guter Schwarzer!


Foto: Raphael Hünerfauth
www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by-nc)

Es ist das Jahr 2012. Vier Jugendliche sitzen an einer Tankstelle in ihrem Wagen und hören laut Musik. Das gefällt dem Weissen Michael Dunn nicht, weswegen er seine Waffe zieht und zehn Schüsse auf die jugendlichen Schüler im Auto abgibt. Der schwarze Schüler Jordan Davis wird dabei tödlich getroffen. Es war Mord, aber das Gericht sah das anders!

Der Angeklagte Michael Dunn wurde lediglich wegen versuchten Mordes an drei Jugendlichen und in drei minderschweren Fällen - u.a. Abfeuern einer Schusswaffe in ein mit Personen besetztes Fahrzeug - verurteilt. Michael Dunn hatte behauptet, in Notwehr geschossen zu haben. Allerdings waren die vier Schüler unbewaffnet. Dunn nahm für sich - ebenso wie der weisse Mörder Zimmerman, der einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen erschossen hatte - das "Stand your ground"-Gesetz in Anspruch. Das ist eine Selbstverteidigungsregel, von der der Rechtsanwalt Paul Kellen sagt: "Diese Regelung ist eine Lizenz zum Töten!"

Das schlimme bei den ganzen Gerichtsverfahren ist ja, dass weisse Rassisten darüber entscheiden, ob ein Weisser verurteilt wird. Wäre hier der umgekehrte Fall: Schwarzer erschiesst weissen Jugendlichen, dann wäre das Urteil bereits gesprochen, noch vor Prozessbeginn. So sagt auch die ehemalige Staatsanwältin Sunny Hostin bei CNN: "Ich bin Mutter eines schwarzen Jungen. Ich kann nicht fassen, dass das Leben eines schwarzen Jungen nichts wert ist."

Selbst Barack Obama hatte nach dem Unrechtsurteil gegen Zimmerman gesagt, dies hätte ihm auch passieren können. Schwarze Jugendliche würden in den Vereinigten Staaten ungerechter behandelt werden als weisse Jugendliche. Jetzt ist natürlich die Frage; wie lässt sich dies ändern?

"Stand-your-ground law" wird in über 30 amerikanischen Bundesstaaten praktiziert. Es gestattet einem Menschen, der sich angegriffen fühlt, sofort - ohne Deeskalationsversuch - seine Waffe zu ziehen und den vermeintlichen Angreifer zu töten. Zwar ist diese Regelung in den USA stark umstritten, kommt aber bei Gerichtsverfahren derart zur Anwendung, dass die - weissen - Mörder meist entweder straffrei ausgehen, oder gemessen an ihrer Tat, unverhältnismässig milde bestraft werden.

In Paragraph 3 des Chapter 776.013 der Florida Statutes gibt es die sogenannte Castle Doktrin. Sie besagt:

 

A person who is not engaged in an unlawful activity and who is attacked in any other place where he or she has a right to be has no duty to retreat and has the right to stand his or her ground and meet force with force, including deadly force if he or she reasonably believes it is necessary to do so to prevent death or great bodily harm to himself or herself or another or to prevent the commission of a forcible felony.“

 

Es reicht also bereits aus, sich bedroht zu fühlen, um einen Menschen straflos ermorden zu können! Interessanterweise wurde dieses Gesetz erst im Jahr 2005 geschaffen.

cornelia warnke 20.02.2014

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